Stadthalle Magdeburg - Geschichte

Geschichte der Stadthalle Magdeburg

Die Magdeburger Stadthalle feiert im Jahr 2012 ihr 85jähriges Bestehen.

Das anlässlich der Deutschen Theaterausstellung im Jahr 1927 errichtete Gebäude im Stil des Neuen Bauens kann seitdem auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.
Am 5. Januar 1927 wurde unter dem damaligen Oberbürgermeister Hermann Beims der Grundstein der Magdeburger Stadthalle gelegt, für die der Magdeburger Stadtbaurat Johannes Göderitz den Bauplan entworfen hatte. Ein "würdevoller Monumentalbau", mit dem Magdeburg als wichtigste Ausstellungs- und Kongressstadt Mitteldeutschlands etabliert werden sollte und der gleichzeitig Möglichkeiten körperlicher Ertüchtigung sowie volksbildungsmäßiger Erlebnismöglichkeiten bot, war die Vorgabe der Stadt als kommunaler Auftraggeber.
Gegenüber dem Dom, am Strom gelegen, eingebettet zwischen Messehallen, Aussichtsturm und Pferdetor entstand in kürzester Bauzeit die seinerzeit fortschrittlichste Stadthalle Deutschlands (22 Meter hoch, 100 Meter lang und 50 Meter breit) mit einer der modernsten Orgeln Europas.
Im Zuge der Deutschen Theaterausstellung wurde die Stadthalle am 28. Mai 1927 erstmals anlässlich eines Presseballs genutzt, die offizielle Übergabe erfolgte einen Tag später. Die Deutsche Theaterausstellung war die Bewährungsprobe für die Stadthalle, welche sie mit Bravour bestand und nationale und internationale Beachtung fand. In der Folgezeit gewann die Stadthalle zunehmend an Bedeutung für die Magdeburger Bürger und die des Umlandes, da sie Raum für Veranstaltungen verschiedenster Art gewährte. Weltberühmte Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler oder Otto Klemperer gastierten hier und waren begeistert über die Akustik der Stadthalle.
Während des Zweiten Weltkrieges veränderte sich diese Situation grundlegend. Am 1. September 1944 funktionierte man die Stadthalle zum Lazarett um. Durch den großen Luftangriff am 16. Januar 1945 und amerikanisches Artilleriefeuer während der Befreiung in Mitleidenschaft gezogen, blieb von der Magdeburger Stadthalle nur ein Bild der Zerstörung.
Im Jahr 1959 entschied sich die Stadtleitung der SED für einen Wiederaufbau. Am 15. April 1966, also mehr als zehn Jahre später, konnte die Stadthalle dann erneut der Öffentlichkeit übergeben werden. Möglich geworden durch den Willen der Magdeburger Bürgerschaft: fast eine Million Mark an Spenden und Arbeitsleistungen setzten die Bezirksparteiführung der SED unter Handlungsdruck. Zwar brachte der Wiederaufbau erhebliche Veränderungen am Baukörper mit sich, die dem ehemals nach oben strebenden Impetus des Gebäudes den Schwung nahmen. Trotzdem ist die eigentliche Leistung des Wiederaufbaus die Erhaltung des sonst dem Verfall preisgegebenen Bauwerks, seine Bewahrung für die Zukunft.
Seitdem ist die Magdeburger Stadthalle die "Kultstätte" für Veranstaltungen aller Art. Seien es Musikevents, Tanz- und Theatervorstellungen, Veranstaltungen mit politischem Hintergrund, Firmen- und Familienfeste. Menschen aller Genre von weltweiter Bekanntheit gaben sich hier schon die Klinke in die Hand.

 

Referenzen

Architektonische Beschreibung Stadthalle Magdeburg und Rotehonrpark

1926-1927: Johannes Göderitz, Albinmüller, Wilhelm Deffke, Fritz Maenicke, Max Roßdeutscher, Paul Niemeyer, Johann Gottlieb Schoch, Wilhelm Lincke

Die Stadthalle ist eines der bedeutendsten Bauwerke von Johannes Göderitz in Magdeburg. Der auf einer Pfahlgründung aufgelagerte Betonsockel trägt eine Stahlskelettkonstruktion, die mit Eisenschlemmklinkern verkleidet ist. Über jeweils fünf an den Längsseiten des Gebäudes angeordnete Treppenhäuser, die sich auch in den Fassaden ausprägen, gelangt man in den großen Festsaal. Dieser war mit 3.500 Sitzplätzen ausgestattet und konnte insgesamt 5.000 Besucher fassen. Eine in sich geschlossene Holzverkleidung gewährleistete eine hervorragende Akustik des Saales. Gestaffelte, kubische Bauformen heben durch geringere Geschossigkeiten oder reduzierte Maßstäblichkeit die Dominanz des großen Saales gegenüber den Neben- und Wirtschaftsräumen hervor. Eine sparsame, aber prägende Ornamentik der Fassaden, durch linienförmigen und eckbetonenden Versatz von Klinkersteinelementen und einer hervorhebenden Gestaltung der Eingangsbereiche, stützen den expressiven Ausdruck dieses Bauwerkes. Nach extrem kurzer Bauzeit von acht Monaten wurde die Stadthalle zur Eröffnung der Deutschen Theaterausstellung am 28. Mai 1927 eingeweiht. (Grundsteinlegung am 21. September 1926)
Kurz vor Kriegsende wurde die Stadthalle 1945 stark beschädigt und brannte völlig aus. In den sechziger Jahren wurde sie wieder aufgebaut, wobei durch eine Veränderung der Dachzone die enorme Plastizität des Baukörpers etwas verloren ging.
Der 60 m hohe Aussichtsturm (Johannes Göderitz und Wilhelm Deffke) und das Pferdetor (Fritz Maenicke und Max Roßdeutscher) waren Teile einer von Prof. Albinmüller projektierten Gesamtlage für die Deutsche Theaterausstellung, in die die seit 1922 bestehenden Ausstellungshallen für die Mitteldeutsche Ausstellung Magdeburg (MIAMA) einbezogen waren. Diese wurden, ebenso wie die 1922 gebaute Sternbrücke, die das Ausstellungsgelände mit der Innenstadt verband, im Zweiten Weltkrieg zerstört.
In den 70er Jahren entstand nördlich der Stadthalle ein neuer Ausstellungs- und Messekomplex und in den 90er Jahren das Landesfunkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks.
Südlich des Ausstellungsgeländes, bis zum ehem. Fort XII an der Südspitze des Elbinsel und östlich durch den Heinrich-Heine-Weg begrenzt, war unter der Leitung von Gartendirektor Paul Niemeyer bereits seit 1871 ein Stadtpark aus der bis dahin typischen, durch Wiesen und Weiden gekennzeichneten Elbauenlandschaft gestaltet worden. Nach 1898 erweiterte Johann Gottlieb Schoch die Parkanlage bis zur östlichen Inselseite, wobei er den natürlichen Charakter der Auenlandschaft einbezog. Wasserläufer, Fahr-, Reit-, und Wanderwege durchziehen den Park, Bootshäuser und Gaststätten fügen sich in die Anlagen. Ab 1906 setzte sein Nachfolger Wilhelm Lincke die Planungen fort. Mit Hilfe von Geldspenden des Magdeburger Industriellen Adolf Mittag entstand von 1906 bis 1908 durch Ausweitung der Tauben Elbe der Adolf-Mittag-See, dem wenig später ein kleiner Pavillon auf der Marieninsel hinzugefügt wurde. Die Kolonnaden am westlichen Seeufer, nahe der Stadthalle, zeugen von den von Lincke angelegten Seeterrassen, die auch Opfer von Kriegsstörungen wurden. Nach dem Krieg wurden die Trümmer der zerstörten Ausstellungsgebäude in Bombertrichter im Park verfüllt bzw. südlich des Heinrich-Heine-Platzes zu einem Hügel aufgeschüttet, der später zu einer Freilichtbühne gestaltet wurde.

(Quelle: Magdeburg – Architektur und Städtebau/ Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt. – Halle an der Saale: Stekovics 2001, S.107, 108)

Flaggschiff des Neuen Bauens: Stadthalle Magdeburg

Mit ihrer kubisch-gestaffelten Bauform gilt sie bis heute als Flaggschiff des in den 1920er-Jahren entstandenen Stils des Neuen Bauens die Magdeburger Stadthalle. Für die Ausstellung der Deutschen Theaterausstellung 1927 entstand sie, von den Architekten Wilhelm Deffke und Johannes Göderitz erdacht, in nur viereinhalbmonatiger Bauzeit als Herzstück auf der bereits mit vier Ausstellungshallen bebauten Rotehonrinsel. Vom einstigen, das Messegelände umschließenden Ehrenhof sind heute noch das Pferdtor und der Aussichsturm - in Opens internal link in current windowAlbinmüller-Turm umbenannt - erhalten. Mehr unter Opens external link in new windowwww.architekturtourismus.de
Initiates file downloadVolksstimme Magdeburg, 7.4.2012 (pdf)

(Quelle: Architektenkammer: „100 Bauten aus 1000 Jahren")

Die Stadthalle Magdeburg (Broschur)

Ein Hauptwerk des Neuen Bauwillens von
Hartmuth Schreiber/Ludwig Schumann.
Seit 1927 der städtische Rahmen für Veranstaltungen.
1927 in Rekordzeit von nur vier Monaten gebaut!
53 Schwarz-Weiß-Fotos zu Bau- und Wirkungsgeschichte.
Fotografien der Stadthallen-Orgel von 1928.
Fakten zu Bau- und Wiederaufbau.
Glanzbroschur, 32 Seiten
Schutzgebühr 4,50 €

Exclusiv erhältlich bei Magdeburg Ticket Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterTickets

Eintrittskarten im Vorverkauf

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